Seideinerzeitvoraus.
WienerModerne2018

Avantgardistische
Wiener Mode

Text:Susanne Kapeller

100 Jahre alt. Noch immer unserer Zeit voraus?

Das Modeschaffen der Wiener Werkstätte war revolutionär und ihrer Zeit weit voraus. Die Designs überraschen auch heute noch. Wien hat mit Modefotografien der Wiener Moderne bei den Fashion Weeks in Mailand und Paris geworben.

© Wavemaker Global

Vor 100 Jahren entwickelte sich in Wien ein besonderer Modestil, der vor allem wegen der Stoffe, Muster und Farbkompositionen radikal und avantgardistisch war. Die Entwürfe stammten aus der Wiener Werkstätte und machten Wien zu einer international bekannten Modestadt. Eduard Josef Wimmer-Wisgrill gründete 1907 die Modeabteilung der Wiener Werkstätte. Er erfand den Wiener Stil und setzte damit einen Kontrapunkt zur Pariser Mode, die bis dahin die Modewelt beherrschte, aber nach Ansicht Wimmer-Wisgrills nicht zum Bild des Gesamtkunstwerks passte.

Die Gründung der Modeabteilung erfolgte nach einem Besuch von Wimmer-Wisgrill im Palais Stoclet in Brüssel, welches als Inbegriff des Gesamtkunstwerks im Sinne der Wiener Werkstätte gilt. Nur die Kleidung von Madame Stoclet im Stil der Pariser Couture passte für Wimmer-Wisgrill so gar nicht in dieses Bild, weshalb der studierte Architekt beschloss, sich der Mode zu widmen. Sein geometrisches Verständnis spiegelte sich in den Entwürfen wider. Durch das Schaffen der Wiener Werkstätte löste sich Wien von der Vorherrschaft der Pariser Mode und wurde selbst zur Modestadt. Sogar der französische Modezar Paul Poiret ließ sich von den originellen Stoffen und Mustern der Wiener Werkstätte inspirieren. Bei einem Wien-Aufenthalt kaufte er große Stoffmengen ein und verwendete sie für seine Kreationen, die in Folge auch in Paris für Furore sorgten.

Modefotografien von Madame d’Ora

Kostüm nach einem Entwurf von Eduard Josef Wimmer-Wisgrill, Ausführung durch die Wiener Werkstätte. Photographie, 1920

© MAK

Die Fotografin Dora Kallmus, unter dem Künstlernamen Madame d’Ora bekannt, arbeitete eng mit der Wiener Werkstätte zusammen und setzte viele Entwürfe der Modeabteilung fotografisch in Szene. Während der Fashion Weeks in Mailand und Paris präsentierte der WienTourismus Megaboards am Mailänder Dom und an den Galeries Lafayette in Paris mit Original-Modefotografien von Madame d’Ora im Stil derzeit aktueller Fashion-Kampagnen. Darauf war zu sehen, wie zukunftsweisend die Mode und Designs der Wiener Werkstätte waren und gleichzeitig noch immer sind.

2018 feiert Wien die Wiener Moderne – mit zahlreichen Ausstellungen. Eine Schau im Leopold Museum ist dem Schaffen der Fotografin Madame d’Ora gewidmet. Das 1907 von Dora Kallmus eröffnete Fotostudio in Wien galt als erste Adresse für künstlerische Portraits. Später lebte und arbeitete sie in Paris, wo sie u. a. Aufnahmen von Josephine Baker, Coco Chanel und Marlene Dietrich machte. Die Ausstellung mit dem Titel „Machen Sie mich schön, Madame d’Ora. Die Fotografin d'Ora 1907-1957“ ist von 13. Juli bis 29. Oktober 2018
im Leopold Museum zu sehen.

Ein wichtiger Partner der Wiener Werkstätte war die Textilmanufaktur Backhausen. Die 1903 gegründete Wiener Werkstätte ließ bei Backhausen die individuellen und faszinierenden Stoffmuster nach Entwürfen von mehr als 80 Künstlern produzieren, allen voran von ihren Gründern Josef Hoffmann und Koloman Moser.

Abendkleid von Eduard Josef Wimmer-Wisgrill, 1919

© MAK

Arthur Arbesser X Vienna. Eine Wiener Garderobe

Auch heute noch lassen sich Künstler von Wien und der Wiener Moderne inspirieren. So wie Arthur Arbesser, der gerade eine eigene Modekollektion für Wien mit Stoffen von Backhausen herausbrachte. Arbessers Entwürfe zeigen, wie modern die Stoffmuster der Wiener Werkstätte nach wie vor sind.

Zum Artikel

#Wiener Moderne 2018

#Wiener Moderne 2018

#Wiener Moderne 2018

#Wiener Moderne 2018

#Wiener Moderne 2018

Alle Infos über die Wiener Moderne 2018